Arbeit Nahrung Wohnung
Musik: Enno Poppe (* 1969)
Libretto: Marcel Beyer
Regie und Bühne: Anna Viebrock
Dramaturgie: Malte Ubenauf
Programmierung: Wolfgang Heiniger
Klangregie: Josh Martin
musikFabrik
Musikalische Koordination: Michael Wendeberg
Mitwirkende: Graham Valentine, Omar Ebrahim
Neue Vocalsolisten Stuttgart
Kompositions- und Librettoauftrag der Landeshauptstadt München zur Münchener Biennale
Koproduktion: Münchener Biennale und
Staatsoper Unter den Linden Berlin, in Kooperation mit dem
ZKM, Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe
Karten: € 20,–
Ermässigt: € 10,–
Komponistengespräch: Enno Poppe
Moderation: Peter Ruzicka
Do 17. April, 18.30 Uhr
Gasteig/Black Box
Uraufführung
Do 17. April, 20 Uhr
weitere Vorstellungen
Sa 19. April und So 20. April, 20 Uhr
Muffathalle
Mit zwei gemeinsamen Projekten –
Interzone und dem Lied
Wespe – haben sich Enno Poppe und Marcel Beyer dem Musiktheater genähert. Nun realisieren sie als drittes Gemeinschaftsprojekt eine Oper. Lieder sind dabei, Shanties, Männerchöre (wie aus einer fernen Kultur), Sprechstücke. Beteiligt sind neben menschlichen Stimmen auch mikrotonale Keyboards, Live-Elektronik und Schlaginstrumente. Enno Poppe verbannt sie nicht in einen Orchestergraben. Sie spielen auf der Bühne mit, sind Teil des Theaters. Im Gegenzug werden die Schallereignisse der Bühnenaktionen über die Live-Elektronik in die Musik einbezogen. Die Musik handelt, die Handlung klingt, die Bühne wird zum Instrument.
Die literarische Folie für
Arbeit Nahrung Wohnung bildet Daniel Defoes Geschichte von Robinson Crusoe. Beyer und Poppe „erzählen“ sie nicht als Abfolge von Ereignisstationen. Sie erscheint vielmehr in Momenten, in Sprachfragmenten, zu Liedern geronnen, gebrochen, reflektiert, bisweilen nahe an unseren Erlebnishorizont herangezogen. Die Rettungsszene steht am Anfang, die Einsamkeit des Insellebens am Ende des Stückes. „Diesem Robinson vergeht die Lust an Gesellschaft, er legt keinen Wert auf Rettung.“ (Marcel Beyer).
In Enno Poppes Oper spricht Robinson zunächst nur, erst im Laufe der Zeit beginnt er zu singen. Freitag, der Freund und Sklave, den Robinson vor dem Tod durch Kannibalen bewahrte, ist dagegen durchgängig als Sängerpartie gestaltet. Die Besonderheit der Männerchöre (Seeleute und Fischer) ist durch eine Erfahrung Poppes auf den schottischen Inseln inspiriert. Er hörte dort in Kirchen die langsam, mit charakteristischen Zeitversetzungen gesungenen Choräle, eine eigentümliche Art von Mikrokanons. In
Arbeit Nahrung Wohnung bilden sie, weitergedacht und -komponiert, eine Klangschicht, die sich deutlich von anderen Ebenen der Musik absetzt. Das Drama des Stücks entsteht durch Konstellation: durch die Wechselwirkung der unterschiedlichen Klang- und Sprachschichten, durch Interaktion der „Lieder“, in denen sich die Komposition konzentriert, durch die Spannung zwischen Bühnenraum, Aktion und Klang. „Die Dramaturgie des Abends aber wird ganz aus der Musik geboren.“ (Enno Poppe).
Enno Poppe, 1969 in Hemer im Sauerland geboren, studierte an der Berliner Hochschule der Künste u. a. bei Friedrich Goldmann und Gösta Neuwirth Komposition. Er erhielt 1998 den Boris-Blacher-Preis, 2000 den Kompositionspreis der Stadt Stuttgart, 2002 den Busoni-Preis der Berliner Akademie er Künste, 2004 den Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung, 2005 den Schneider-Schott-Preis. Mit seinem Librettisten Marcel Beyer realisierte er
Interzone und das Gesangsstück Wespe. Enno Poppe unterrichtete 2000 bis 2004 an der Hochschule für Musik
Hanns Eisler in Berlin. Porträt-CDs erschienen bei den Labels Kairos, Wergo und col legno.