Piero – Ende der Nacht
Hörstück für ein Theater der wandernden Gedanken und Klänge
Musik: Jens Joneleit (*1968)
Libretto: Michael Herrschel (unter freier Verwendung von Texten und Motiven aus dem Roman "Die Rote" von Alfred Andersch)
Raumkonzeption: Gunnar Hartmann
Musikalische Leitung: Yuval Zorn
Regie: Katharina Thoma
Ausstattung: Anemone Bold
Produktionsdramaturgie: Norbert Abels
Video: Peer Engelbracht
Niina Keitel, Mezzosopran
Piero: Johannes M. Kösters, Bariton
Piero: Michael Authenrieth, Sprecher
Solisten-Chor:
Sopran: Uta Kirchner-Flach, Anja Scherg, Christa Schneider
Alt: Ute Feuerecker, Cornelia Lechner, Lori Liebelt
Tenor: Michael Gann, Michael Kilian, Raimund Mlnarschik
Bass: Thomas Ruf, Johannes Wimmer, Jürgen Weiß
Choreinstudierung: Andreas Puhani
Ensemble Modern
Flöte, Bassflöte: Dietmar Wiesner
Klarinette, Es- und Bassklarinette: Winfried Rager
Klarinette, Bassetthorn: Rumi Sota-Klemm
Klarinette, Kontrabassklarinette: Matthias Stich
Klarinette, Bassklarinette: Andrea Nagy
Fagott, Kontrafagott: Johannes Schwarz
Trompete, Trompete in Es: Valentin Garvie
Trompete, Basstrompete: Sava Stoianov
Posaune: Uwe Dierksen
Posaune, Bassposaune: Michael Büttler
Tuba: Jozsef Juhasz
Klavier: Hermann Kretzschmar
Schlagzeug: Rumi Ogawa, Slavik Stakhov
Violine: Thomas Hofer
Viola: Fabio Marano
Violoncello: Michael M. Kasper
Kontrabass: Aaron Baird, Eran Borovich, You-Mi Jun, Tatjana Erler
Live-Elektronische Realisation: EXPERIMENTALSTUDIO des SWR
Klangregie und Musikinformatik: Joachim Haas, Thomas Hummel, Reinhold Braig
Korrepetition: Hogen Yun, Otto Honeck, Erik Nielsen
Regieassistenz: Magdalena Wiedenhofer
Inspizienz: Felix Rühle
Produktionsleitung München: Walter Delazer
Technische Projektleitung München: Ulli Napp
Spieldauer: 105 Minuten
Aufführungsrechte: Eigenverlag
Kompositions- und Librettoauftrag der Landeshauptstadt München zur Münchener Biennale und der Oper Frankfurt am Main
Koproduktion: Münchener Biennale,
Oper Frankfurt am Main und
EXPERIMENTALSTUDIO des SWR, Freiburg
Uraufführung
Mi 30. April, 20 Uhr
weitere Vorstellungen
Fr 2. Mai und Sa 3. Mai, 20 Uhr
Muffathalle
Karten: € 20,–
Ermässigt: € 10,–
Karten bestellen:
München Ticket
Weitere Aufführungen:
Mo 29. September, Mi 1., Fr 3. und So 5. Oktober, 20 Uhr
Oper Frankfurt am Main/ Bockenheimer Depot
Komponistengespräch: Jens Joneleit
Moderation: Peter Ruzicka
Mi 30. April, 18.30 Uhr
Gasteig/Raum 0.131
Das Ende der Nacht ist die Stunde der Ungewissheit, der Ahnung, Hoffnung und Furcht. Konturen sind noch nicht verfestigt. Formen, Gestalten, Gedanken können verschieden betrachtet und neu geprüft werden.
Wenn Sie die Muffathalle betreten, sehen Sie keine Szenerie, nur zwei gegenüberliegende Tribünen. Der Blick wird nicht auf einen Vorhang oder eine Rampe gelenkt; die Oper spielt unmittelbar in dem Raum, in dem Sie Platz nehmen. Hier, mitten unter Ihnen, formiert sich ein Solistenchor, aus dem sich später eine Protagonistin löst, ein lyrisches Ich, namenlos. Einen Namen trägt nur ihr fernes Gegenüber, Piero. Aber auch er ist eine „offene“ Figur: zwei Solisten, ein Sprecher und ein Sänger, zeigen Facetten seines Denkens, und seine Worte sind von denen des Chores nicht zu trennen.
Auch Zuschauerbereich und Bühne greifen ineinander, denn der gewohnte „Zwischenraum“, der Orchestergraben, befindet sich hier nicht vor, sondern unter Ihnen. Der Instrumentalklang baut sich aus der Tiefe auf: Kontrabässe, Tuba, Posaunen, Trompete mit Basstrompete, Klarinetten von der Kontrabass- bis zur schrillen kleinen Klarinette, Flöte mit Bassflöte, je eine Geige, Bratsche, Violoncello, Klavier und reiches Schlagwerk bilden das Ensemble.
Über Lautsprecher werden teils vorproduzierte, vor allem aber live-elektronisch bearbeitete Klänge zugespielt – nicht im Sinn einer statischen, „gleichmäßig globalen“ Beschallung, sondern in permanenter Bewegung zwischen zwölf weit voneinander entfernten Fixpunkten. Die Lautsprecher sind so montiert und gehängt, dass beim Wandern des Klangs Höhe, Tiefe und Ferne erfahrbar werden.
Von jedem Platz aus werden diese Vorgänge und ihre Überlagerung mit den direkten Wahrnehmungen von Gesang und Instrumenten anders aufgefasst. Jede und jeder hört das Werk anders, der Erfahrungsaustausch, der „Nachhall“ des Gehörten und Gesehenen verstärkt und weitet den Eindruck.
Habakuk Traber: Herr Herrschel, worum geht es in Piero?
Michael Herrschel: Um Kommunikation und Wahrnehmung, um den möglichen Verlust von beidem – und um die Hoffnung, sich gegen diesen Verlust zu wehren. Die Titelfigur Piero ist ein Mensch, der scheinbar völlig isoliert ist, völlig einsam. Er spricht mit sich selbst. Aber das ist keine egoistische Selbstbespiegelung, sondern: in seinen Gedanken spiegelt sich seine Umwelt. Er ist ein Sterbender draußen auf dem Meer, und man kann dieses Meer konkret oder metaphorisch auffassen. Aber er bleibt trotzdem ein soziales Wesen, er lebt in einem Kontext, und das möchten wir zeigen.
HT: Herr Joneleit, in welchen Schritten hat sich das Piero-Projekt entwickelt?
Jens Joneleit: Gunnar Hartmann, der von der Architektur her kommt, hat uns Lust auf einen neu zu schaffenden Raum gemacht, in den man hineinschreiben und -komponieren kann. Zur thematischen Initialzündung kam es dann durch die Texte und Textbearbeitungen von Michael Herrschel. Im weiteren Verlauf hat jeder von uns die Ansätze und Entwürfe der anderen kritisch befragt. Wichtig war und ist dabei auch, dass jeder Vorschläge machen kann, die über den eigenen Fachbereich hinausgehen. In gewissem Sinne sind sowohl der Raum als auch der Text und die Musik letztlich eine Gemeinschaftsarbeit.
HT: Herr Hartmann, können Sie den Raum, den Sie für Piero entworfen haben, kurz charakterisieren?
Gunnar Hartmann: Der Raum repräsentiert den „klassischen“ Zuschauerraum, der durch Verdoppelung aufgelöst oder ad absurdum geführt wird.
HT: Möchten Sie damit eine „bildnerische“ Aussage machen?
Gunnar Hartmann: Nein. Es geht mir nicht um ein Bild, sondern um eine Situation. Dieser Raum ist ein Werkzeug, kein Werk. Er ist unfertig. Er schafft eine Situation, die nicht nur „frontales“ Hören und Zuschauen ermöglicht…
HT: …sondern ein Hören und Zuschauen inmitten der Ereignisse?
Gunnar Hartmann: Ja. Und dazu stelle ich auch die Situation „Bühne“ in einen anderen Kontext.
HT: Aber wo ist bei Ihnen eigentlich die Bühne – ist sie nirgends? Oder überall?
Gunnar Hartmann: Bühne ist dort, wo Aktivität ist, wo sich etwas in Szene setzt. Das Raumkonzept gibt hier keinen solchen Brennpunkt vor – nur Möglichkeiten, ihn an verschiedenen Stellen zu finden. „Bühne“ muss in gewisser Weise erarbeitet werden, immer von neuem – das ist ein Prozess, der dem Zuschauer ebenso wie dem Darsteller eine aktive Rolle zukommen lässt.
HT: Warum ist der Raum streng symmetrisch konzipiert?
Gunnar Hartmann: Um die asymmetrischen Klangereignisse besser wahrnehmbar, erfahrbar zu machen.
HT: Als da wären: die gesungenen und gesprochenen Worte im Raum der Zuschauer; die Orchesterklänge von unten; die Klänge über Lautsprecher – von allen Seiten. Hier kommt die sogenannte „Live-Elektronik“ ins Spiel. Herr Joneleit, was passiert da?
Jens Joneleit: Die Klänge ändern sowohl ihre Position im Raum als auch ihr Timbre. Frequenzen werden herausgefiltert, andere treten stärker hervor – als ob die Klänge in ein anderes Element eintauchen würden. Die technischen Voraussetzungen dafür habe ich mir im Freiburger Studio zusammen mit Thomas Hummel und Joachim Haas erarbeitet. Wie ein Instrument, auf dem man spielen lernt und das man in den Orchester-Kontext integrieren kann. In einen erweiterten Mischklang.
HT: Nuancen, Übergänge, Zwischentöne sind für Sie sehr wichtig…
Jens Joneleit: Ja – gerade auch in Auseinandersetzung mit den Denk-Angeboten, die der Text macht. Mit den Aufgaben, die er immer neu und anders stellt.
HT: Damit kommen wir zur Struktur des Librettos. Sie ist polyphon. Aber der Ausgangspunkt, vom Titel her, ist eine einzelne Person: der alte Fischer Piero, der als isolierte Nebenfigur in Alfred Anderschs Roman
Die Rote auftaucht. Herr Herrschel, warum gerade Piero?
Michael Herrschel: Wegen seiner ganz besonderen Sprache, die nicht abgeschlossen ist, sondern sich öffnet. Da gibt es Freiräume, Ungewissheiten – vieles, das die eigene Phantasie anspornt.
Jens Joneleit: Das kann ich nur bestätigen…
HT: Aber kann man die Piero-Oper überhaupt verstehen, wenn man den Roman noch nicht kennt?
Jens Joneleit: Meiner Meinung nach schon, denn das Libretto geht seinen eigenen Weg – es ist keine Dramatisierung des Romans. Die dort erzählte Haupthandlung wird von uns nicht berührt. Aber auch wenn man das Buch zur Hand nimmt, kann man die „unbearbeiteten“ Piero-Passagen nicht nur im Kontext, sondern auch „für sich“ lesen.
HT: So wie man die italienischen Teile des Librettos ebenfalls „für sich“ lesen kann, als Gedichte?
Jens Joneleit: Ja, genau.
HT: Das ist sozusagen der autonom-literarische Aspekt der Texte. Aber durch die Libretto-Fassung entsteht noch mal eine ganz eigene Dynamik. Ich habe das Gefühl, dass die Piero-Passagen und die italienischen Texte vielfach aufeinander reagieren, einander herausfordern. Sind das Ansätze zu einem „intertextuellen“ Dialog?
Michael Herrschel: Es ist zumindest ein Dialog-Angebot. Wenn ich mich einem fremden Text nähere, ist er nicht bloß Material für mich, sondern etwas Lebendiges.
HT: Wie gehen Sie mit den Piero-Passagen der Vorlage um?
Michael Herrschel: Ich arbeite die Verschiedenheit der Sprach-Schichten heraus. Piero erscheint dadurch nicht als Einzelstimme, sondern als ein Gefüge von Stimmen.
HT: Das heißt, dass der Text auf verschiedene Rollen verteilt wird?
Michael Herrschel: Nicht auf verschiedene Rollen, sondern auf verschiedene Ebenen. Worte, Augenblicks-Wahrnehmungen überlagern einander, in einer chorischen Polyphonie. Der Chor ist das verbindende Element des ganzen Stücks, und seine Vielstimmigkeit ist offen für unsere eigenen Gedanken und Fragen.
HT: In den deutschsprachigen Teilen artikuliert der Chor verschiedene Phänomene, die in Pieros Bewusstsein dringen, in ihm Raum greifen: Meer und Licht, Wind und Steine. Was repräsentiert der Chor – darüber hinaus – in den italienischsprachigen Teilen?
Michael Herrschel: Gedanken von Menschen, die unter derselben Himmelskuppel wie Piero leben und ihm nie begegnen – aber trotzdem etwas mit ihm zu tun haben.
HT: Damit thematisieren Sie Erfahrungen von Anonymität und Kollektivität. Können Sie das näher beschreiben?
Michael Herrschel: Es gibt Momente zwischen Identitätssuche und Identitätsverlust. Momente, in denen Wörter wie „ich“ und „wir“ plötzlich unsicher werden. Im ersten Chorstück, der „Strömung“, kommen diese Wörter überhaupt nicht vor. Im mittleren entdeckt ein Geflecht von Stimmen das „Ich“ und verwickelt es in Widersprüche. Individualität artikuliert sich, befreit sich, und wird im nächsten Augenblick wieder von der Masse verschlungen.
HT: Gegen Ende kehrt sich das Paradox um…
Michael Herrschel: Ja, eine einzelne Stimme bleibt übrig, die namenlose Solistin. In der „Aria“ fällt ihr allein die Rolle des Chores zu. Sie singt nicht „ich“, sondern „wir“, und dieses „Wir“ könnte Piero einschließen.
Piero ist kein Schauspiel, auch keine Literaturoper, sondern – wie es im Untertitel heißt – ein „Hörstück für ein Theater der wandernden Gedanken und Klänge“. Das Stück setzt auf hörende Konzentration. Wollte man
Piero in eine bestimmte Musiktheater-Tradition stellen, dann am ehesten in die, die von Luigi Nono ausging, als er in einer Welt der überbordenden optischen Reize und der Allgegenwart funktionaler Musik das Ohr als das eigentlich kritische Organ des Menschen charakterisierte. Das Musiktheaterkonzept, das Jens Joneleit, Michael Herrschel und Gunnar Hartmann für
Piero entwickelt haben, setzt auf individuelles Hören: Je nachdem, wo man sitzt, nimmt man die Überlagerungen von Live-Klängen und Elektronik in je eigener Balance wahr. Jeder hört andere Schwerpunkte bei den im Raum verteilten Chorstimmen. Das „Ende der Nacht“, die kurze Phase, ehe das Leben (wieder) beginnt, in der Nahes weit weg, Entferntes aber ganz dicht, gar in uns erscheint, wird in dieser Oper zu bewegtem Verweilen gebracht.
Jens Joneleit
, 1968 in Offenbach/Main geboren, studierte nach Abitur und Zivildienst in den USA Malerei und Komposition. 1997 schloss er mit dem Master of Arts ab. Nach 14 transatlantischen „Lehr und Wanderjahren“ kehrte er 2004 wieder nach Deutschland zurück. Er lebt jetzt in Nieder-Roden bei Frankfurt. 2002 erschien eine erste Porträt-CD mit Kammermusik von Joneleit. Im Oktober 2005 eröffnete
Le tout – le rien die Dresdner Tage für zeitgenössische Musik.
Von anderen Räumen – Angst – leeres Schimmern wurde 2006 vom RSO Stuttgart uraufgeführt,
Der Brand nach Texten von Andreas Gryphius (Libretto: Michael Herrschel) hatte Anfang Februar 2007 beim ECLAT-Festival Premiere. Am 12. Mai 2006 wurde Jens Joneleit einer der drei Förderpreise der Ernst von Siemens Musikstiftung verliehen.
Michael Herrschel
(Libretto)
1971 in Regensburg geboren. Magisterexamen in Germanistik und Theaterwissenschaft, Dramaturgie-Studium an der Bayerischen Theaterakademie. Seither freie Projekte im Schnittpunkt von Literatur, Neuer Musik und Theater. Experimente mit spartenübergreifenden Formen wie „Live-Hörspielen“ unter Einbeziehung von komponierter und improvisierter Musik, u.a.
Parzival-Momente. Daneben editorische und publizistische Arbeiten: Übersetzungen, Kommentare, Portraits, Rezensionen. Libretti für Jens Joneleit: u.a. „Geisterseher-Fragment“ (Weimar 2005),
Der Brand. Proscaenium emblematicum tribus tabulis (Stuttgart 2007),
Piero – Ende der Nacht. Hörstück für ein Theater der wandernden Gedanken und Klänge (München 2008).
Gunnar Hartmann
(Raumkonzeption)
geboren 1972, studierte in den neunziger Jahren Freie Kunst und Architektur in den USA. Seit 2001 akademische Tätigkeiten in den USA und Deutschland, seit 2003 eingetragener Architekt, seit 2005 Programmdirektor des Masterkurses am Chur Institute of Architecture in der Schweiz, seit 2007 Gastprofessur am Dessau Institute of Architecture in Deutschland. Gunnar Hartmann lebt und arbeitet in Zürich als freischaffender Architekt, Designer und Künstler.
Yuval Zorn
(Musikalische Leitung)
Absolvent der Rubin Academy in Jerusalem, konzertierte als Pianist in Israel und Europa, ehe er 2002 in das Young Artists’ Programme an der Londoner Covent Garden Opera aufgenommen wurde. Dort dirigierte er mehrere Opernuraufführungen, arbeitete als Assistent, Repetitor und Studienleiter für Antonio Pappano; Funktionen, in denen er in Aix en Provence, Glyndebourne, Brüssel und Kopenhagen mit Daniel Harding, Iván Fischer und Asher Fish zusammenarbeitete. Sein Debüt an der New Israeli Opera gab er mit Verdis
Don Carlos, in Frankfurt/Main mit Udo Zimmermanns
Die Weiße Rose, an Covent Garden dirigierte er die Uraufführung von Dominique Le Gendres
Bird of Night.
Katharina Thoma
(Regie)
1975 in Landsberg/Lech geboren, studierte 1994–2001 an der Musikhochschule Lübeck im Hauptfach Klavier und erwarb dort ihr pädagogisches und künstlerisches Diplom. 2002-04 arbeitete sie als Regieassistentin am Staatstheater Kassel, seit September 2004 an der Frankfurter Oper. In Kassel inszenierte sie Darius Milhauds
Le pauvre Matelot und Jacques Iberts
Angélique, in Frankfurt/ Main Jacques Offenbachs
Nr. 66, Ralph Vaughan Williams’
On Wenlock Edge und Gustav Holsts
Savitri.
Annemone Bold
(Ausstattung)
1976 in Achern geboren, arbeitete nach einer Ausbildung zur Bauzeichnerin und einem Sprachenstudium in Paris an den Städtischen Bühnen Freiburg als Hospitantin und Assistentin für Bühnen- und Kostümbild. Seit 2001 assistierte sie u.a. bei Produktionen in den Opernhäusern Zürich, Frankfurt/Main und Essen, arbeitete als Bühnen- und Kostümbildnerin für Bühnen in Freiburg, Düsseldorf, Berlin, Luzern (
Die Schnecke von Moritz Eggert), entwarf Bühnenbilder und Kostüme für das mehrsicht-theater Braunschweig und den Circus Krone in München.
Peer Engelbracht
(Video)
ist seit 2000 aktives Mitglied des VJ-Kollektivs Impulskontrolle. Daneben arbeitet er seit 2001 als freier Cutter und Videodesigner für diverse Theater- und Opernproduktionen. Mit Sandra Leupold erarbeitete er – vor
Ariane et Barbe-Bleue an der Oper Frankfurt/ Main –die deutsche Erstaufführung von Per Nørgårds
Der göttliche Tivoli in Lübeck (2007). Weitere Produktionen des letzten Jahres waren
Don Giovanni in Münster,
Lakmé in Bielefeld und die Uraufführung von
Botenstoffe. Orestie von Manos Tsangaris am Schauspiel Köln. Zuvor wirkte er an einer Reihe von Inszenierungen am Schauspielhaus Bochum und am Opernhaus Zürich mit und gestaltete mit Martin Kušej Lesungen bei den Salzburger Festspielen 2005.
Niina Keitel
(Mezzosopran)
gastiert in der Spielzeit 2007/08 an der Oper Frankfurt/ Main als Marzelline (
Le nozze di Figaro). Seit 2007 singt sie im Ensemble des Staatstheaters Darmstadt Partien wie Mlle Dangeville (
Adriana Lecouvreur), Zephyrus (
Apollo et Hyacinthus), Blumenmädchen (
Parsifal) und Siegrune (
Die Walküre). Sie studierte an der Sibelius Akademie in Helsinki und nimmt derzeit Gesangsunterricht bei Elisabeth Werres. Seit 2005 war sie an der Finnischen Nationaloper u.a. in
Parsifal, La Rondine und
The Last Temptations zu erleben. Zu ihren anderen Rollen zählen u.a. Dorabella, Nicklausse.
Johannes M . Kösters
(Bariton)
studierte in Frankfurt/Main und in Bloomington/Indiana Gesang. 1980–87 gehörte er dem Ensemble des Mannheimer Nationaltheaters, 1987–91 des Musiktheaters im Revier Gelsenkirchen an. In Wolfgang Rihms
Hamletmaschine übernahm er 1987 seine erste große Rolle in einer zeitgenössischen Oper. Seitdem wurde er als Darsteller großer Charakterrollen im zeitgenössischen wie im romantischen Musiktheater von mehr als 30 Bühnen in Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien und USA verpflichtet. Der ersten Zusammenarbeit mit Claudio Abbado und den Berliner Philharmonikern 1993 folgten Einladungen zu den Berliner Festwochen und zu den Osterfestspielen in Salzburg.
Michael Authenrieth
(Sprecher)
erhielt seine Ausbildung zum Schauspieler an der Folkwang-Hochschule in Essen. Er gehörte den Ensembles an den Theatern in Dortmund, Tübingen, Freiburg, Bochum, Mannheim und Frankfurt/Main an. Seit 1990 übernimmt er immer häufiger Sprechrollen im Musiktheater. Dafür wurde er u. a. von den Opernhäusern in Essen, Brüssel, Amsterdam, Straßburg, Lyon und Oslo engagiert. In Rundunksendungen und Konzerten trat er mit Rezitationen klassischer und moderner Texte hervor. Bei den diesjährigen Salzburger Festspielen wird er – wie im Sommer 2006 – wieder als Sprecher in Mozarts
Zauberflöte mitwirken.
Das
Ensemble Modern
(EM)
1980 gegründet, seit 1985 in Frankfurt/Main beheimatet, ist in seiner Arbeits- und Organisationsweise weltweit einzigartig. Es gibt keinen künstlerischen Leiter; Projekte, Gastmusiker, Koproduktionen und finanzielle Belange werden gemeinsam entschieden und getragen. Die MusikerInnen sind zugleich Gesellschafter des Ensembles, bringen ihre Erfahrungen und Interessen in die Planung ein. Daraus entsteht eine programmatische Bandbreite, die Musiktheater, Tanz- und Videoprojekte, Kammermusik, Ensemble- und Orchesterkonzerte umfasst. Jährlich gibt das EM ca. 100 Konzerte. In enger Zusammenarbeit mit den Komponisten, verbunden mit dem Anspruch nach größtmöglicher Authentizität, erarbeiten die Musiker jedes Jahr durchschnittlich 70 Werke neu, darunter etwa 20 Uraufführungen. Tourneen führten das EM nach Russland, Südamerika, Japan, Australien, Indien, Korea, Taiwan und in die USA. Regelmäßig tritt es weltweit bei renommierten Festivals auf. Für groß besetzte Orchesteraufführungen wurde 1998 das Ensemble Modern Orchestra (EMO) ins Leben gerufen. Die Internationale Ensemble Modern Akademie (IEMA) vermittelt seit Sommer 2003 die Erfahrungen mit zeitgenössischer Musik an die junge MusikerInnen-Generation. Das Ensemble Modern wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes sowie über die Deutsche Ensemble Akademie e.V., durch die Stadt Frankfurt, das Land Hessen, die GEMA-Stiftung und die GVL.