hin und weg
Gemeinschaftswerk. Vier Studierende der Kompositionsklassen an der
Hochschule für Musik und Theater Hamburg und vier Regiestudierende der Theaterakademie Hamburg beleuchten das Motto der diesjährigen Biennale aus ganz verschiedenen Blickwinkeln. Das Thema wird gleichsam umstellt und umspielt durch vier konträre Ansätze:
Krieg ohne Schlacht
Furcht
MinutenSpuren
Orangen –
Musik
Felix Leuschner (Krieg ohne Schlacht)
Peter Nikolaus Häublein (Furcht)
Eunyoung Esther Kim (MinutenSpuren)
Martin von Frantzius (Orangen)
Musikalische Leitung
Tobias Engeli, Cornelius Trantow
Regie
Alexander Keil (Krieg ohne Schlacht)
Felix Seiler (Furcht)
Jan Eßinger (MinutenSpuren)
Maria Popara (Orangen)
Mit: Max Ciolek, Claudia Rometsch, Peter Kubik, Gabriel Rodriguez-Silvero, Florian Miro,
Rebekka Reister, Kwon JiSyong, Andreas Preuß, Melanie Wandel, Ralf Wegner, Nicolas Bertholet
Es spielt das ENSEMBLE 21 der Hochschule für Musik und Theater Hamburg
Bühne und Kostüme
Marina Hellmann
Bühnenassistenz
Hannah Landes
Tontechnik
Katharina Raspe
Dramaturgie
Wolfgang Willaschek
Dramaturgie MinutenSpuren
Kristina Prause
Projektleitung
Ilka Rümke
Gesamtleitung
Frank Böhme, Albrecht Faasch, Peter Michael Hamel, Fredrik Schwenk
Dauer: 90 Minuten
Aufführungsrechte: Hochschule für Musik und Theater Hamburg
Produktion der Hochschule für Musik und Theater Hamburg in Zusammenarbeit mit der Münchener Biennale.
Uraufführung
Di 22. April, 20 Uhr
weitere Vorstellungen
Mi 23. April, 20 Uhr
Akademietheater im Prinzregententheater
Weitere Aufführungen
27., 28. und 29. April 2008, 20 Uhr
Forum der Hochschule für Musik und Theater Hamburg
Karten: € 15,–
Ermäßigt: € 8,–
Komponistengespräch
Felix Leuschner, Peter Nikolaus Häublein, Eunyoung Esther Kim, Martin von Frantzius
Moderation: Peter Ruzicka
Di 22. April, 18.30 Uhr
Bayerische Theaterakademie/ Akademietheater Ost
Nach der Kollektivoper
Über Frauen über Grenzen (2000) und Jörg Widmanns
Monologe für zwei (2002) ist dies der dritte Beitrag der Hochschule für Musik und Theater Hamburg für die Münchener Biennale. Vier Studierende der Kompositionsklassen und vier Regiestudierende taten sich zusammen. Mit dem Dramaturgen Wolfgang Willaschek entwickelten sie vier sehr unterschiedliche Konzepte, die unter dem Übertitel
hin und weg zu einem Musiktheaterabend verschmelzen.
Hin und weg wird eröffnet mit
Krieg ohne Schlacht von Felix Leuschner und Alexander Keil. Ein Tenor und ein Cello präsentieren Lieder nach Texten von Heiner Müller. Im Zentrum steht die Gefühlswelt eines jungen Mannes, der um seinen verstorbenen Vater trauert. Konträre Empfindungen laufen parallel ab. Die Musiker verkörpern sie in einem lebhaften Wechselspiel. Es gipfelt in einem Kampf zwischen Sehnsucht und Wut, Liebe und Hass. Plötzlich offenbart sich eine Welt, in der sich sämtliche Realitäten verschieben.
Furcht von Nikolaus Häublein und Felix Seiler beschreibt den Ausbruch dreier Menschen aus ihrem drögen Alltag. Ein graues Forschungslabor. Darin zwei Männer und eine Frau. Zwischen Landkarten, Essensvorräten, einbrechendem Wasser und ausweichenden Blicken baut sich eine Spannung auf, die auf Entladung wartet. Da flackert das Licht, die Sehnsucht von Abenteuer und Ferne ist plötzlich nur noch eine Schublade entfernt. Doch selbst am eisigen Rand der Welt sind die Akteure vor hausgemachten Konflikten nicht gefeit. Jeder Traum hat eine Schattenseite, manchmal sogar eine blutige.
MinutenSpuren von Eunyoung Esther Kim und Jan Eßinger (dramaturgische Mitarbeit: Kristina Prause) beschäftigt sich mit dem Umgang von „Lebens-Zeit“, mit der Frage danach, wie und wann scheinbar ferne Zeit ganz nah wird. Die zentrale Frage lautet: Was will ich? Auf der Suche nach einer Antwort begibt sich die Protagonistin Anna auf eine unbestimmte Reise. Sie begegnet ihren Erinnerungen, löst sich aus dem Hier und Jetzt, um in einen phantastischen und zeitlosen Raum einzutauchen.
Für
Orangen wählten Martin von Frantzius und Maria Popara Texte aus
Das Leben an der Praca Roosevelt von Dea Loher. Schuld, Verzweiflung, Selbstzerstörung, Gewalt, aber auch Liebe, die Einsicht, am Leben zu sein, überleben zu können, bestimmen den Text. Die Kommunikation zwischen den Hauptpersonen, einer Sängerin und einem Schauspieler, führt über Monologe, die aber versteckte Dialoge darstellen: Beide gehen, wenn auch fast unmerklich, aufeinander ein. Die Musik greift dies auf und möchte die Extreme zusammenführen: Neben den Gefühlen der Trauer, des Hasses auf die Mörder des Sohnes, der Wut auf die Unfähigkeit des Mannes, ist in der Frau eine Empfindung am stärksten: die verzweifelte Liebe einer Mutter.
Felix Leuschner
(Musik)
geboren 1978, studierte er Schlagzeug in Weimar, Komposition in München bei Hans-Jürgen von Bose und wechselte 2006 an die Hamburger Hochschule in die Klasse von Peter Michael Hamel. Er schrieb Stücke u.a. für das Siemens Arts Program, für den Salem Festival Choir / Music for Salem – Cambridge, New York, für die Klangnacht Hamburg, Theatermusik für das Bayerische Staatsschauspiel, das Staatstheater Braunschweig, das Altmark-Theater Stendal, das Stadttheater Landshut und die Bayerische Theaterakademie.
Alexander Keil
(Regie)
studierte bis 2004 an der Universität in Hildesheim Szenische Künste und begann im Anschluss daran mit dem Studium der Musiktheater-Regie an der Theaterakademie Hamburg. Assistenzen im Schauspieltheater und an der Oper. Regie in
Nonnsense (Theater Meissen),
Ein Mittsommernachtstraum, Allemonde. Mélisande. Geneviève. Debussy, L’Histoire du Soldat, pace pianto party (jeweils Theaterakademie Hamburg) und
Glühend heiße Herzen im St. Pauli Theater Hamburg. Die Uraufführung bei der Münchener Biennale 2008 ist bereits die dritte Zusammenarbeit mit dem Komponisten Felix Leuschner.
Peter Nikolaus Häublein
(Musik)
geboren 1980, nahm 1996 bis 1998 privaten Kompositionsunterricht bei Jochen Neurath. Damals entstanden zahlreiche Bühnen- und Kurzfilmkompositionen. 1999–2004 studierte er Klavier/Tonsatz/Hörerziehung am Dr. Hoch´s Konservatorium in Frankfurt am Main. 2004 begann er ein Kompositionsstudium bei Peter Michael Hamel in Hamburg und setzt es seit Oktober 2006 bei Manfred Stahnke fort. Im Zentrum seines Schaffens stehen Klavierwerke, daneben Werke für Gesang und Klavier und für Ensemble. Auch während des Studiums führte er seine Beschäftigung mit bühnen- und filmdramatischen Konzepten weiter.
Felix Seiler
(Regie)
wurde 1983 in Stuttgart geboren. Regie- und Dramaturgieassistenzen führten ihn u.a. an die Junge Oper und Staatsoper Stuttgart, die Deutsche Oper Berlin und an die Berliner Philharmonie. Seit 2004 studiert er an der Theaterakademie Hamburg Musiktheater-Regie und erarbeitete dort bereits die Projekte
Piramo Tisbe und
La fata diva (beide 2005), sowie gemeinsam mit Alexander Keil den Abend
Allemonde. Mélisande. Geneviève. Debussy. 2007 folgte
Il pianto di Maria im Rahmen des Studienprojekts
pace pianto party und
Die Puccini-Schwestern im St. Pauli-Theater Hamburg.
Eunyoung Esther Kim
(Musik)
erhielt bereits während ihrer Schulzeit in Korea eine professionelle Ausbildung in Klavier und Komposition. Nach Abschluss des Kompositionsstudiums studierte sie Musikwissenschaft an der Universität Hamburg. 2001–06 setzte sie ihre Kompositionsstudien bei Peter Michael Hamel und Wolfgang Andreas Schultz fort und ist seither mit zahlreichen Werken an die Öffentlichkeit getreten. Sie komponierte Solostücke für unterschiedliche Instrumente, Kammer- und Orchestermusik. Seit Oktober 2006 studiert Eunyoung Esther Kim bei Adriana Hölszky in Salzburg.
Jan Eßinger
(Regie)
1983 in Darmstadt geboren, studiert seit 2003 Musiktheater-Regie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Neben eigenen Projekten wie dem Barockabend
pace, pianto, party (2007), führten ihn Regie-Assistenzen an die Staatstheater Darmstadt und Kassel, die Opern Leipzig und Göteborg, auf Kampnagel, sowie zu den Bregenzer Festspielen und den Wiener Festwochen. Ein weiterer Interessensschwerpunkt liegt in der Theaterarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Jan Eßinger war Stipendiat des Istituto Italiano di Cultura und wird durch das Evangelische Studienwerk Villigst e.V. gefördert.
Martin von Frantzius
(Musik)
geboren 1977, machte sich nicht nur als Komponist, sondern auch als Geiger, vor allem durch Konzerte mit dem Laptop als Duo-Partner, einen Namen. Er studierte Violine bei Christiane Edinger, Komposition bei Peter Michael Hamel an der HfMTh Hamburg, wo er Kurse für elektronische Musik und Musikinformatik bei Georg Hajdu und Helmut W. Erdmann besuchte. Für die Ausarbeitung innovativer musikalischer Ideen schreibt er sich gerne eigene Software. Neben Werken für traditionelle Besetzungen entstehen interaktive Kompositionen und multimediale Projekte. Sein Leben als Komponist ermöglicht sich Martin von Frantzius augenblicklich als Entwickler in der Telekommunikationsbranche.
Maria Popara
(Regie)
studierte Chorleitung in Budapest und absolvierte Regieassistenzen in Budapest und London. Für das Musiktheaterprojekt
Labyrinth in the Opera in Budapest war sie als musikalische Leiterin und als Co-Regisseurin tätig. Seit 2005 studiert Maria Popara Musiktheater-Regie an der Theaterakademie Hamburg. Während des Studiums inszenierte sie ein Projekt mit Liedern von Wolfgang Amadeus Mozart und eine Komposition des kanadischen Komponisten Zack Settel im Rahmen des musiktheatralischen Multimedia-Projekts
Voiceover.
Tobias Engeli
(Musikalische Leitung)
Sohn einer Musikerfamilie, erhielt schon früh Cello- und Klavierunterricht. Mit 13 Jahren machte er erste Dirigiererfahrungen. Als 15-Jähriger begann er eine rege Kammermusiktätigkeit. Er studierte an den Hochschulen für Musik und Theater Winterthur und Hamburg. Nach seinem Cello-Examen trat er in die Kapellmeisterklasse von Christof Prick ein. 2004 dirigierte er die Oper
Stallerhof von Gerd Kühr an der HfMTh Hamburg, 2006 Milhauds
Medée, Amour et Psychée von Mondonville,
Il Combattimento von Monteverdi,
Infinito Neroa von Sciarrino, Brittens
Sommernachtstraum, L’histoire du soldat von Strawinsky. Im Juni 2006 gastiert er mit dem
Freischütz bei den Landesbühnen Sachsen. Seit 2006 ist Engeli am Staatstheater Darmstadt engagiert, er dirigierte u.a. die Uraufführung der katalanischen Oper
La Cuzzoni von Augusti Charles (Barcelona).
Marina Hellmann
(Bühne und Kostüme)
Die aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende Bühnenbildnerin studierte Architektur in Belgrad und arbeitete als Bühnenbildnerin 10 Jahre in ihrer Heimat in über 100 Produktionen, wofür sie zahlreiche Auszeichnungen erhielt.
1991 wechselte sie an das Theater an der Ruhr, 1993 an die Wuppertaler Bühnen. Seit 1994 ist sie freischaffend tätig unter anderem in Düsseldorf, Bremen, Antwerpen, Lübeck, Kiel, Rostock, Hamburg, Hannover, Mainz, Weimar, Berlin sowie in Linz, Klagenfurt und beim großen Welttheater in Einsiedeln in der Schweiz. In Zusammenarbeit mit der Komponistin Mayako Kubo hat sie ihre erste Inszenierung an der Musik-Akademie Rheinsberg gemacht. Zur Zeit ist sie mit den Vorarbeiten für die
Zauberflöte in Bremen und
La Calisto in Linz beschäftigt.