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Münchener Biennale

Die Münchener Biennale ist weltweit das einzige Festival, das ausschließlich Uraufführungen von Werken des neuen Musiktheaters zeigt. Sie hat jungen Komponisten und Komponistinnen schon in der Vergangenheit vielfältige Möglichkeiten eröffnet, sich und ihre künstlerischen Ambitionen auf höchstem Niveau auszuprobieren.

Als uns der Kulturreferent der Stadt München, Dr. Hans-Georg Küppers, fragte, ob wir Interesse hätten, ab 2016 die künstlerische Leitung dieses besonderen Festivals zu übernehmen, waren wir nicht nur überrascht und hoch erfreut ob der wunderbaren Aussichten, sondern haben das uns entgegengebrachte Vertrauen sofort als eine Aufforderung verstanden, die außergewöhnlich erfolgreiche Geschichte der letzten Jahrzehnte hin zu neuen inhaltlichen und formalen Dimensionen weiterzudenken. Es wurden nach Hans-Werner Henze und Peter Ruzicka wieder zwei Komponisten gefragt. Schon das spricht eine eigene Sprache.

Musiktheater ist für uns mehr als nur ein genrebezogenes, sinnliches Vergnügen. Der klassische Kompositionsbegriff hat sich erweitert. Und das aus gut nachvollziehbaren Gründen. Unsere lebensweltlichen Verhältnisse, gerade was ästhetische und formale Rahmensetzungen angeht, überstürzen sich, von den gravierenden politischen Veränderungen zunächst einmal abgesehen. Wie reagieren die Künste? Oder besser noch: wie agieren sie! Denn das, was im Modellversuch, scheinbar nur dem Wahren und Schönen verpflichtet, erfunden, experimentell verdichtet und ausprobiert wird, findet sich, oft unter anderen Namen und Masken, bald in ganz anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen wieder, nicht zuletzt in Werbung, Film, Kommunikations- und Medienpraxis. Aber auch dort, wo Nachrichten übermittelt und Meinungen geformt werden. Für uns bedeutet es, den Kunstraum als Forschungsstätte zu öffnen und zu schützen. Der erweiterte Kompositions-Begriff schließt sehr unterschiedliche Formate ein. Von neuer Oper bis szenischer Installation, von minimalisierter künstlerischer Intervention im Stadtraum zu komponierter Performance, um nur einige zu nennen.

Dieses Spektrum bildet einen Raum, der unsere gesellschaftliche »Vielsprachigkeit«, die alltägliche mediale Polyphonie künstlerisch zuspitzt und reflektiert. Von daher ist neues Musiktheater ein offenes Feld geworden, das gesellschaftliche und auch politische Fragestellungen unter besonderen Bedingungen ausleuchten kann.

Wir freuen uns auf die 16. Münchener Biennale (2. - 12. Juni 2018) mit Ihnen!
Daniel Ott, Manos Tsangaris
Januar 2018

Biografien: Daniel Ott / Manos Tsangaris

Daniel Ott

Geboren 1960 in Grub/Appenzell.

Komponist, Pianist, Theaterschaffender, Autor landschaftsbezogener Werke.

Klavierstudium, Aufbau freier Theatergruppen, Straßentheater mit Wagenbühne und Pferden, Theaterstudien in Paris und London. Kompositionsstudium bei Nicolaus A. Huber und Klaus Huber.

Vor allem und das seit 25 Jahren: Arbeit als Komponist, Pianist, Innovator im Bereich Neues Musiktheater, interdisziplinär und situationsbezogen. Gründung des Festivals „neue musik rümlingen". Zehn Jahre Lehrauftrag für Experimentelle Musik in Berlin.

Musiktheater u.a. für die Staatsoper Stuttgart, das Theater Bielefeld, für die Donaueschinger Musiktage und die Wittener Tage für Neue Kammermusik. Situationsbezogene Arbeiten für die Expo Hannover (Musik zum Schweizer Pavillon von Peter Zumthor), für das Museum für Moderne Kunst MMK Frankfurt am Main, das Festival Alpentöne/Altdorf und den Wasserturm Berlin/Prenzlauer Berg.

Landschaftskompositionen für den Hafen Sassnitz/Rügen, den Wallfahrtsort Heiligkreuz/Entlebuech, die Neisse zwischen Görlitz und Zgorzelec, den Rheinhafen Basel, die Elbe bei Hitzacker und die Ruhr bei Witten.

Seit 2005 Professor für Komposition und Experimentelles Musiktheater an der Universität der Künste Berlin, seit 2015 Mitglied der Akademie der Künste Berlin.

Ab 2016 gemeinsam mit Manos Tsangaris künstlerische Leitung der Münchener Biennale – Festival für neues Musiktheater.

Manos Tsangaris

Geboren 1956 in Düsseldorf.

Komponist, Trommler, Installationskünstler, Protagonist des neuen Musiktheaters.

Studium bei Mauricio Kagel (Komposition) und Christoph Caskel (Schlagzeug) an der Kölner Musikhochschule. Studien bei Alfonso Hüppi an der Kunstakademie Düsseldorf.

Grundsätzlich: Forschungen zu einem erweiterten Kompositionsbegriff, der radikal den Menschen in den Mittelpunkt nimmt. Untersuchung der Schnittstellen zwischen Bild, Ton, Wort und Szene – und ihre Synthese in einem universell verstandenen, neuen Musiktheater.

Regelmäßige Aufführungen seiner Werke bei international renommierten Festivals (Donaueschinger Musiktage, Wittener Tage für neue Kammermusik, Theaterfestival Belgrad, MusikBiennale Berlin, Biennale Venedig, Ultima Festival Oslo, Tonlagen Dresden, Warschauer Herbst). Seit 25 Jahren werden auch seine installativen und bildnerischen Arbeiten in wichtigen Galerien und Museen weltweit gezeigt.

Initiator des Kongresses Praemoderne in Köln. Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendium der Stadt Köln, Stipendium der Akademie Schloss Solitude Stuttgart, Kunstpreis der Akademie der Künste Berlin, Ehrengast der Villa Massimo. Lehrer für transdisziplinares Komponieren, Leiter des Akademieprojekts Europäisches Zentrums der Künste Dresden.

Dozent bei den Darmstädter Ferienkursen, seit 2009 Kompositionsprofessor an der Hochschule für Musik Dresden und Mitglied der Akademie der Künste Berlin (Direktor der Sektion Musik ab 2013), Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste seit 2010.

Ab 2016 gemeinsam mit Daniel Ott künstlerische Leitung der Münchener Biennale – Festival für neues Musiktheater.

Fragen und Antworten

Fragen an Daniel Ott und Manos Tsangaris

WER SEID IHR?

DO Manos Tsangaris ist ein griechischer Rheinländer. Ein Komponist, der sich seit Jahrzehnten mit Musiktheater auseinandersetzt und mit den verschiedensten Formaten. Schlagzeuger, Kölner… Hab’ ich Dich gut beschrieben?

MT Wir sind zusammen DOMTS: Daniel Ott und Manos Tsangaris. Und dieser DO, urschweizer berlinischer Komponist – der fatalerweise einen Hang dazu hat, mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten, gerne auch in Landschaftskompositionen wirkt, der Natur und der Umgebung lauscht und das alles umformt in kompositorisches Denken. Und wir zusammen…

DO ...ja, wir zusammen arbeiten klein-groß. Manos hatte eine Weile einen Hang zu sehr kleinen Formaten, zu Musiktheater in kleinen Räumen, manchmal für zehn Mitwirkende und einen Zuhörer – damit hat er das gewohnte Verhältnis zwischen Zuschauern und Ausführenden umgedreht. Manos denkt aber auch manchmal sehr groß und ich denke manchmal sehr klein.

WAS KÖNNT IHR? ALLEIN? ZU ZWEIT?

DO Manos kann Schlagzeug spielen und komponieren. Und zu zweit können wir uns eine Biennale ausdenken.

MT Zu zweit können wir zweifeln und Dinge beschließen, zu zweit können wir…

DO …uns ins Wort fallen, das können wir allein nicht.

MT Zu zweit können wir uns widersprechen.

DO Wir können uns streiten, wir können diskutieren…

MT …wir können junge Kunstschaffende ausgucken, miteinander. Und allein: schlafen.

WAS SOLL NEUES MUSIKTHEATER?

MT Es soll gar nichts. Es kann sehr viel und soll nichts müssen, dann wäre es nicht das, worum es geht.

DO Musiktheater könnte die Welt verändern, kann sich einmischen in gesellschaftliche, politische Prozesse, und mir ist sehr wichtig, dass Musiktheater Dialoge anzettelt.

MT Für mich ist wichtig, dass es Kunst werden kann.

DO Kunst heißt auch: Kommunikation.

MT Keine Ahnung.

WO STEHT DAS MUSKTHEATER HEUTE? IM VERGLEICH ZU VOR 20 JAHREN?

MT Wir leben viel mehr noch als vor 20 Jahren in einer vielstimmigen Welt. Video und Lautsprecher sind omnipräsent im Alltag. Wie mit Tentakeln greifen die Öffentlichkeits- Maschinen nach uns. Das wirkt sich auch ins Musiktheater hinein aus. Die Formate sind viel flexibler. Kompositorisches Denken ist ganz anders gefordert heutzutage. Das Spiel hat sich erweitert und braucht präzise Regeln und Verläufe...

DO ...die immer wieder neu gefunden werden wollen

ROLLE DES KOMPONISTEN?

DO Die Rolle des Komponisten im Musiktheater ist sehr zentral. Wir haben uns oft über Verschriftlichung unterhalten, darüber, dass Prozesse notiert werden können. Für mich ist der Komponist auch ein Teamplayer, der, wenn er Musiktheater macht, mit Leuten aus anderen Gewerken zusammen denken muss, sich darüber unterhalten muss, was aus der Gattung „Musiktheater“ wird und wo seine Rolle ist.

MT Stücke schreiben, die was taugen.

WAS IST DIE MÜNCHENER BIENNALE?

MT Ein Labor und eine Feier.

WAS WILL DIE BIENNALE?

DO Die Münchener Biennale möchte kommunizieren, sie möchte aber auch Dinge probieren. Und vielleicht weiß sie noch nicht alles, was sie in fünf Jahren will. Vor allem will sich die Biennale auf Prozesse einlassen. Auf Prozesse, auf Dialoge mit jungen Kunstschaffenden, die „Kunst schaffen“ wollen. Sie möchte sich aber auch einlassen auf einen Dialog mit der Stadt, auf Menschen, die in München leben. Sie möchte sich auf ein Publikum einlassen und Fragen stellen. Ich glaube, die Biennale hat nicht alle Antworten.

MT Den Raum öffnen, der notwendig ist für Musiktheater und auch möglich, das heißt, man muss das eine tun und darf das andere nicht lassen. Man muss anschließen an die Möglichkeiten, die uns vorgegeben sind – auch formal und von der Art her, Stücke zu schreiben und aufzuführen. Aber wir müssen auch den Raum öffnen ins Unbekannte.

FÜR WEN?

DO Für alle.

WORAUF FREUT IHR EUCH?

MT Auf die Biennale. Auf die Arbeit mit all den Leuten.

DO Wir freuen uns auf schlaflose Nächte, auf endlose Diskussionen, auf Dispute, wir freuen uns auf die Münchnerinnen und Münchner...

 

 

Pressemappe

Hier finden Sie die Pressemappe der Münchener Biennale 2018 zum Download.

Vorwort Dr. Hans-Georg Küppers hier
Daten & Fakten der Münchener Biennale 2018 hier
Programmübersicht hier
Einführung hier
Uraufführungen, Diskurse, Plattformen hier

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Die Fotos sind im Rahmen der Presse-Berichterstattung honorarfrei.

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