ANTICLOCK (OmU)

Produktion der Münchener Biennale

Regie: Mirko Borscht; Video und Sounddesign: Hannes Hesse; Szenenbild: Christian Beck;

Ein Road-Movie ist ja bekanntermaßen ein Film, in dessen Verlauf die Protagonisten größere Strecken zurücklegen, zumeist in Autos, manchmal auf Motorrädern, selten in Zügen oder zu Fuß; immer jedoch auf der Suche nach Verheißungen, die sich (im besten Fall) allein im Unterwegssein einzulösen vermögen und an solche Orte führen, die den Reisenden in ihrer Fremdartigkeit und Surrealität oftmals viel näher erscheinen als der Ausgangspunkt ihres Weges. Für die Münchener Biennale lädt der Regisseur Mirko Borscht die Zuschauer ein, gemeinsam mit ihm und seinem Ensemble nach diesen Orten zu suchen: Hundertzwanzig Minuten »on the road« mit einem motorisierten Hybrid, umgeben von Audio- und Bildspuren, Synchronstimmen, originalen und abweichenden Soundtracks sowie unerwarteten Programmänderungen, Zwischenstopps, Fahrrichtungswechseln, und vielleicht gar: einer Ankunft. »ANTICLOCK (OmU)«, dessen Titel auf einen von Claude Chabrol als »Meisterwerk des futuristischen Kinos« bezeichneten Fantasy-Spielfilm von 1979 verweist (und damit auf das diesem Biennale-Projekt zugrundeliegende Original), beginnt ab 30. Mai täglich in der Glashalle des Gasteig.

Mirko Borscht Regie

Mirko Borscht wurde 1971 in Cottbus geboren. Er arbeitete zunächst in Berlin als Regie- und Kameraassistent. Nach zwei Co-Regiearbeiten am Theater inszenierte er 1992 mit dem Kurzfilm »Mäuseboxen« seine erste eigene Filmarbeit, danach folgte der zweite Kurzfilm »Bastard!«. Seine Arbeit als Regisseur in Film und Theater wurde wesentlich durch die Zusammenarbeit mit jugendlichen Laiendarstellern bestimmt. So entstand 2005 sein erster abendfüllender Spielfilm »Kombat Sechzehn« und 2007 das Theaterstück »Opferpopp«, das er für das Thalia Theater Halle entwickelte. 2008 erhielt »Opferpopp« den Hans-Götzelmann-Preis, 2009 wurde dem Projekt der »BKM - Preis für kulturelle Bildung« vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien in der Stiftung Genshagen verliehen. Am Centraltheater Leipzig waren in seiner Regie die Stücke »Sweet Dreams« und »Der Tag des Opritschniks« (nach einer Romanvorlage von Wladimir Sorokin) zu sehen. Für das Junge Schauspiel Hannover bearbeitete er 2010 das Stück »komA« von Georg Staudacher und Volker Schmidt und setzte es in der Tellkampfschule Hannover mit 19 Jugendlichen, zwei Lehrern und zwei professionellen Schauspielern in Szene. Nach »Unfun« von Matias Faldbakken, inszenierte Borscht am Centraltheater/Skala Leipzig »Deutschland tanzt nicht« als Premiere zur Eröffnung der Spielzeit 2010/2011. Es folgte »Kristus - Monster of Münster« für das Junge Schauspiel Hannover, schließlich 2012 die Inszenierung von Simon Stephens »Harper Regan« am Thalia Theater in Halle. Seit der Spielzeit 2012/2013 ist Mirko Borscht als Regisseur im Schauspiel und bei den Jungen Akteuren am Theater Bremen tätig, hat Lars von Triers »Europa« inszeniert, ein Projekt über den Rechtsextremen Odfried Hepp unter dem Titel »Larger than life« mit Jugendlichen entwickelt, sowie Jelineks »Tod-krank.Doc« uraufgeführt. Es folgten »Die Schutzbefohlenen« (Elfriede Jelinek) sowie »Verbrennungen« von von Wajdi Mouawad. Am Berliner Maxim Gorki Theater inszenierte Borscht u.a. »Woyzeck III« nach Georg Büchner.

Christian Beck Bühnenbild

Der Bühnen- und Kostümbildner Christian Beck wurde 1965 in Jena geboren und studierte Bühnenbild an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Er war Mitbegründer und Ausstattungsleiter am Theaterhaus Jena sowie Ausstattungsleiter am staatlichen Puppentheater Dresden und Thalia Theater Halle. Als freier Bühnen- und Kostümbildner arbeitete er unter anderem mit den Regisseuren Carlos Medina, Andreas Kriegenburg, Armin Petras und Annegret Hahn an der Volksbühne Berlin, am Schauspiel Leipzig, dem Theater der jungen Generation Dresden und dem Theater Mühlheim an der Ruhr. Mit dem Regisseur Enrique Vargas und dem Teatro de los Sentidos verbindet ihn eine langjährige Zusammenarbeit in Bogotá, Ljubljana, London, Aarhus, Modena und Barcelona. Für Mirko Borschts Inszenierungen entwarf er bereits mehrfach die Bühne, darunter für die Produktionen »Opferpopp«, »Sweet Dreams«, »Kristus – Monsters of Münster« und »Harper Regan« am Thalia Theater Halle, dem Centraltheater Leipzig und dem Schauspiel Hannover, sowie für Mirko Borschts Inszenierungen »Europa« und »Tod-krank.Doc« am Theater Bremen.

Hannes Hesse Video

Hannes Hesse ist Videokünstler aus Halle an der Saale und studiert Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Seit 2006 ist er an verschiedenen Theatern aktiv gewesen. U.a. für Mirko Borscht entwarf und entwirft er seit mehreren Jahren Videoinstallationen: z.B. für »Sweet Dreams«, »Der Tag des Opritschniks«, »Harper Regan« und »Die Welt ohne uns IV« am Centraltheater Leipzig, dem Thalia Theater Halle und dem Schauspiel Hannover. Als VJ arbeitet Hannes Hesse mit diversen Acts und Clubs aus der elektronischen Musikszene zusammen und entwickelt für sie Video- und Lichtkonzepte.

Besetzung & Credits

Regie: Mirko Borscht

Video und Sounddesign: Hannes Hesse

Szenenbild: Christian Beck

Assistenz Szenenbild: Michael Krenz

Gäste: Alexander Kluth, Susanne Meyer, Jørgen Callesen, Christian van Schijndel, Carla Fra Helles 7d

Tickets: nur erhältlich im Festivalbüro, Ludwigstraße 8 / 3. Stock und am Treffpunkt

Produktion: Produktion der Münchener Biennale

Biografien

Susanne Meyer Performer

Susanne Meyer, geboren 1959, lebt in Hamburg und arbeitete als Führungskraft in der Wirtschaft, bis sie mit 48 erstmals in Kontakt mit der Bühnenwelt kam. Sie beschloss daraufhin, eine Schauspielausbildung zu absolvieren. Seitdem spielt sie in freien Produktionen und an Stadttheatern, u. a. am Theater Bremen. Dort trat sie in Christiane Pohles „Pomp and Circumstances“ auf und arbeitete insbesondere mit dem Regisseur Mirko Borscht zusammen: Sie spielte in seiner „Junge Akteure“-Produktion „Larger than Life“, in der Uraufführung des Elfriede Jelinek-Stückes „Tod-krank.Doc“ und in seiner Inszenierung von Jelineks „Die Schutzbefohlenen“. Aktuell ist Susanne Meyer am Theater Bremen in der Wiederaufnahme von „Die Schutzbefohlenen“ zu sehen.

Jørgen Callesen Performer

Jørgen Callesen (geb. 1966 in Hjørring, Dänemark) hat an der Aarhus University in Informations- und Medienwissenschaften promoviert. Seit über 20 Jahren arbeitet er mit digitalen Medien und Performancekunst. Als praktizierender Künstler hat er Performances, Vorlesungen und Installationen entwickelt, die häufig digitale, interaktive und generative Medien einbeziehen. Die Werke sind oft aus der queeren Perspektive geschrieben und hinterfragen Normen und Ästhetik in Bezug auf Geschlecht und Identität und die Art der Darstellung des Körpers. Seine Stücke wurden in verschieden Formaten und an ganz unterschiedlichen Orten aufgeführt, wie in Kunstakademien und Galerien, bei Theaterfestivals, TV-Interviews und ortsbezogenen Events in ganz Europa.

Sowohl in seinen Solowerken als auch bei Kollaborationen hat er sich als einfallsreicher physischer Künstler erwiesen, der raffinierte und fesselnde Charaktere schafft. Er studierte Puppenspiel an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin und Image Work bei Kitt Johnson, X-act, in Kopenhagen. Jørgen Callesen lebt in Kopenhagen, wo er als künstlerischer Leiter der 2007 gegründeten Live-Art-Galerie Warehouse9 tätig ist.

Christian Van Schijndel Performer

Christian Van Schijndel (geboren 1972 in Knutsford, England) ist Performancekünstler, Sänger und Kostümbildner. Er studierte am Camberwell College of Arts und an der Middlesex University (Studiengang Fashion & Textiles) in London. Als Kabarettist hat er in Burlesque, New Cabaret und Performance einen einzigartigen Stil entwickelt, der sich ästhetisch, provokant und humorvoll mit Geschlecht, Gesellschaftsschicht und Identität auseinandersetzt. Seit 2005 tritt er in Dänemark und international auf, unter anderem am New Avenu Theatre, am Bellevue Theater, auf dem Roskilde Festival, am Danish Design Institute und an der Royal Vauxhall Tavern (London). Van Schijndel ist außerdem Kurator und Produzent des Performancetheaters Warehouse9, wo er mit dem ausverkauften New Festival in den Jahren 2010 und 2011 das „Burlesque-Genre“ als Kunstform in Dänemark einführte und damit landesweit große Beachtung in den Medien fand. Er war mehrfach in verschiedenen Fernseh- und Radioprogrammen zu sehen. Christian Van Schijndel lebt und arbeitet in Kopenhagen, wo er seit der Gründung im Jahr 2007 als Stage- und Eventmanager von Warehouse9 tätig ist.

Carla Fra Helles 7d Performer

Carlo Størup ist ein synästhetischer Komponist und synekdochischer Experimentalist, der das Leben mithilfe eines meta-methodologischen Ansatzes unter die Lupe nimmt.
Er bringt in verschiedenen Räumen unterschiedliche Phänomenologiesymbole zum Einsatz und testet so die Grenzen der Wahrnehmung.
Aktuell komponiert er die Musik für transhumanistische kybernetische Bio-Techno-Cyber-Baroque-Projekte in einer erweiterten Form der Oper mit dem Fokus auf der Beziehung zwischen Mensch, Technik und Kunst.